Vortragsreihe: "Leben im Imperativ oder was wir glauben sein zu müssen"

12.10.2015

Schlank und schön und gesund. Hetero. Begehrt. Gute Noten. Immer gut drauf. Monogam. Karriere machen. Kinder haben. Normal, aber besonders. Auffallend, aber nie störend…

Liebe Interessierte, unter dem Titel „Leben im Imperativ oder was wir glauben sein zu müssen“ organisieren wir dieses Wintersemester spannende Vorträge, zu denen wir Euch herzlich einladen! Wir wollen uns mit den Imperativen, den Normen und Normalitäten beschäftigen, die unsere Leben prägen und uns zu Anpassungen zwingen, die uns gar nicht richtig passen. Wir wollen Klischees entlarven, enge Stirnen weiten, aus gedanklichen Schubladen Ozeane machen. An der Uni und in der Stadt den Horizont erweitern – finden wir ‘ne gute Idee. Seid dabei!

Bei allen Veranstaltungen gilt: Freier Eintritt


Veranstaltungsüberblick (Die Veranstaltungen beginnen immer um 19 Uhr und finden in der Regel dienstags statt)


In Kooperation mit:


Einzelne Vorträge:

"Wie ist es dann, wenn es soweit ist?" Eine filmische Arbeit zu Transsexualität mit anschließender Diskussion

Filmvorführung und Diskussion

Dienstag, den 03.11.2015, 19 Uhr

Universität Konstanz, Raum A 703

 
Eine filmische Arbeit zu Transsexualität mit anschließender Diskussion mit der Filmmacherin Carola Julia Schneider und dem Protagonist Leon. "Wie ist es dann wenn es soweit ist?" zeigt in 45 Minuten, was es heißt, transsexuell zu sein und sich Schritt für Schritt seiner Geschlechtsidentität sowohl körperlich als auch juristisch anzunähern. Carola Julia Schneider schloss mit diesem Film ihr Studium an der Universität Konstanz ab. Wenn Leon von seinem Weg in einen männlichen Körper spricht, klingt er entschlossen und ist sich dennoch bewusst, dass dieser kein einfacher sein wird. Etliche Behördengänge und Arztbesuche muss er auf sich nehmen, um seinem Ziel „ein ganzer Kerl zu sein“ (Zitat Leon) näher zu kommen. Während Leon seine Entwicklung und Ängste mit der Kamera und dem/der Zuschauer*in teilt, zeigen medizinische und psychotherapeutische Expert*innen Möglichkeiten auf, die Grenze innerhalb einer zweigeschlechtlichen Gesellschaft zu überwinden und im „anderen“ Geschlecht aufzugehen. Vielleicht geht es ja nicht um das Ankommen an sich, sondern um die Bedeutung, die dahinter steht?


"Hass schüren ...und als Unfall verkaufen"? Wie Grauzone-Bands PEGIDA- und AfD-Inhalte verpacken

Vortrag

Montag, den 09.11.2015, 19 Uhr

Contrast, Joseph-Belli-Weg 11, 78467 Konstanz

Die Debatte klingt so 2013. Doch sie ist buchstäblich brandaktuell. In einem Interview distanzierte sich Frei.Wild-Frontmann Philipp Burger von den Anschlägen auf Asylbewerber*innenheime und verurteilte fremdenfeindliche Einlassungen seiner Fans, die häufig auch als PEGIDA- und AfD-Anhänger*innen in Erscheinung treten. Der Fortschritt: Frei.Wild hat erkannt, welches Publikum bei ihren Konzerten mitgröhlt. Das ist aber noch immer kein Grund, die Band zu mögen, denn ein entscheidender Schritt bleibt aus: Zu begreifen, dass es eben verstärkt der Inhalt der eigenen Texte sowie das öffentliche Auftreten um die Frage, ob die Band denn jetzt rechts sei oder nicht, den Boden für eine Fankultur bereitete, die völkisches und nationalistisches Gedankengut nicht als rechts begreift. Wer Frei.Wild medial dafür kritisierte, wurde als System- oder Lügenpresse abgetan. Eine Strategie, die aktuell bei Verschwörungstheoretiker*innen, Rassist*innen sowie der AfD und PEGIDA beliebt ist. Unser Referent geht darauf ein, wie Frei.Wild sowie andere Grauzonebands völkisches, rechtes Gedankengut bedienen und verdeutlicht, welche Gefahren es birgt, wenn jene Ideen, die in solcherlei Texten propagiert werden, ihren Weg in den Alltag finden.


"Reines Gewissen" durch CO2-Kompensationszahlungen im Reiseverkehr?

Vortrag

Dienstag, den 10.11.2015, 19 Uhr

Universität Konstanz, Raum A701

Bist Du auch ein echter Öko und zahlst die CO2-Kompensation für deine Flüge? Dafür wird ein Baum gepflanzt und Du hast der Umwelt etwas Gutes getan. Ist doch so?!

Viele Verkehrsunternehmen werben mit CO2-neutralen Reisen. Der „gute Mensch“ klickt die entsprechende Option an. Ist das wirklich ein Beitrag zum Klimaschutz? Was bedeuten solche Projekte für die Menschen dort, wo die Emissionen für uns reduziert werden?

Die Referentin Jutta Kill hat Biologie studiert und ist seit 1993 als Aktivistin und Kampaignerin tätig. Seit fünfzehn Jahren dokumentiert sie die lokalen Auswirkungen von Projekten, die handelbare Emissionsgutschriften anbieten.

vortrag_konstanz_nachhaltig_reisen_ohne_emissionsgutschriften_ohne_film.pdf


"Ein bisschen depri sind wir doch alle" - Über die Stigmatisierung psychisch Kranker im Alltag

Vortrag

Dienstag, den 17.11.2015

Universität Konstanz, Raum A701

„Psychisch krank“ – immer mehr Menschen werden heute mit diesem „Stempel“ versehen. Nimmt die Zahl der Betroffenen tatsächlich zu – oder ändert sich lediglich unsere Wahrnehmung? Und wie verhält es sich trotz Aufklärung und vieler Medienberichte mit der Tolerant gegenüber psychisch Erkrankten? Weshalb bleibt Diskriminierung von Menschen mit seelischen Leiden weiterhin ein brisantes Thema? Und trägt zu all diesem Zustand auch unser Gesundheitswesen bei? Welche Verantwortung hat die Politik? Und was kann die Zivilgesellschaft angesichts einer nahenden Welle an seelischen Neuerkrankungen zu begegnen?

Vortrag von und offene Diskussion mit Dennis Riehle, Betroffener und Vorsitzender des Sprecher*innenrates von KOMMIT, dem Konstanzer Selbsthilfegruppennetzwerk.


Selbstbestimmte Norm. Feminismus, Pränataldiagnostik, Abtreibung

Vortrag

Dienstag, den 24.11.2015 ,19 Uhr

Universität Konstanz, Raum D 432

Ist wirklich alles in Ordnung, wenn bei der pränatalen Untersuchung  keine Auffälligkeiten gefunden werden? Und was wenn doch? Als Feministin  für ein Recht auf Abtreibung einzutreten, bedeutet nicht zwangsläufig,  die hier entstehende Entscheidungssituation als Selbstbestimmung  wahrnehmen zu müssen.

Kirsten Achtelik lotet in ihrem Buch das Spannungsfeld zwischen den  emanzipatorischen und systemerhaltenden Potenzialen des feministischen  Konzepts "Selbstbestimmung" in Bezug auf Abtreibung aus. So mischt sie  sich in die aktuellen feministischen Debatten um reproduktive Rechte  ein, die mit den zunehmenden Aktivitäten und Demonstrationen von  "Lebensschützern" wieder aufgeflammt sind.

Zugleich ist es ihr Anliegen, einer neuen Generation von  Aktivistinnen und Aktivisten die Gemeinsamkeiten und Konflikte der  Frauen- und Behindertenbewegung sowie die inhaltlichen Differenzen  zwischen Frauen mit und ohne Behinderung verständlich zu machen.

Vor allem aber stellt sich Achtelik der dringend zu klärenden Frage,  wie ein nicht selektives und nicht individualisiertes Konzept von  Selbstbestimmung gedacht und umgesetzt werden kann.


Die Uhr, die nicht tickt: "Kinderlos glücklich"

Lesung

Dienstag, den 01.12.2015, 19 Uhr

Speichersaal Konzil Konstanz

„Wenn meine biologische Uhr mir etwas sagt, dann, dass ich im besten Alter bin, dieses Buch zu schreiben.“

Immer mehr Frauen bleiben freiwillig kinderlos, nicht nur in Deutschland. Aber das Reden über die biologische Uhr ist so allgegenwärtig, dass Frauen sich selbst misstrauen, wenn sie die Uhr nicht ticken hören. Sie zweifeln ihre eigene Entscheidungsfähigkeit an, weil ihnen vermittelt wird, dass sie etwas anderes wollen müssen.
Geht es ums Kinderkriegen, wird unbeirrt festgehalten an der Vorstellung vom angeborenen Mutterinstinkt und an der Idee vom allein seligmachenden Glück der Kleinfamilie. Politik und Gesellschaft bauen demografische und biologistische Schreckgespenster auf, um an alten Familienkonzepten und Geschlechterhierarchien festhalten zu können. Kein Kind zu wollen, gilt als unnatürlich, egoistisch oder feige. Sarah Diehl, Mitte 30 und selbst kinderlos, hat Frauen interviewt, die freiwillig keine Mütter sind. Sie hat erfahren, dass die Gründe vielfältig sind, Egoismus oder Narzissmus gehören nicht dazu.
Ihr Buch ist das überfällige Plädoyer für eine vorurteilsfreie und zeitgemäße Einstellung zu weiblicher Identität und für neue Konzepte des solidarischen Zusammenlebens.


Normalität und alltäglicher Rassismus- Menschenverachtende Einstellungen und rechtes Weltbild

Vortrag

Dienstag, den 08.12.2015, 19 Uhr

Universität Konstanz, Raum A701

Unter dem Begriff "Nazi" können sich die meisten Menschen etwas vorstellen. Auch mit "rechtem Denken" können viele Leute etwas anfangen. Bei genauerem Nachfragen ist jedoch oft unklar, was darunter verstanden wird. Im Rahmen des Vortrages nähern wir uns den Erkenntnissen und aktuellen Diskussionen der "Rechtsextremismus"-Forschung. Definitionen, Einstellungsmuster und Forschungsergebnisse werden prägnant und leicht verständlich dargestellt und mit alltagsnahen Beispielen verdeutlicht. Dabei wird der Blick über den wissenschaftlichen Tellerrand gewagt und verschiedene Aspekte dieses großen Themas auch kritisch beleuchtet.


Workshop: "Kaufen gegen den Kapitalismus?!"

Freitag, den 08.01.2016, 19 Uhr

RadioRaum, Beyerlestr. 1, 78464 Konstanz

Immer wieder mahnen gesellschaftskritische Menschen “besseren Konsum” an. Sei es, dass sie zum Kauf von “Fair trade”-Waren aufrufen, sei es, dass es wieder einmal ein Unternehmen zu boykottieren gilt. Auch im Zusammenhang mit der zunehmenden Umweltverschmutzung ist das Konsumverhalten immer wieder Thema.

Wir wollen an diesem Abend die provokante These vertreten, dass diese Art der Konsumkritik eine gut gemeinte, aber nichtsdestotrotz grundfalsche Variante der allseits beliebten “Der Kunde ist König”-Ideologie ist."


Diskussion zum Thema"Liebe als Glücksversprechen"

Workshop

Dienstag,den 19.01.16, 19 Uhr

RadioRaum, Beyerlestr. 1, 78464 Konstanz

Die meisten Menschen versprechen sich von Liebe und Beziehung(en) nicht einfach, dass das Leben ein wenig netter ist. Nein, die meisten versprechen sich Glück und suchen sich das in einer anderen Person (oder neuerdings auch mehreren). Diese Glücksphantasien verwandeln sich über kurz oder lang in Rechtsansprüche gegen die einst ausgesuchten Personen und sorgen neben dem Arbeitsalltag für zusätzliches Ungemach. Diese Veranstaltung ist sicherlich keine Liebesberatung oder gar Paartherapie, sondern eine Analyse und Diskussion darüber, was die Privatsphäre in kapitalistischen Gesellschaften ist und was dort alles auszuhalten ist.

Veranstaltet von jimmy boyle berlin.


Nation? Gemeinschaft? Heimat? "Warum wir dieses Land nicht lieben" (RadioRaum, Beyerlestr. 1, 78464 Konstanz)

Workshop

29.01.2016, 19 Uhr
RadioRaum, Beyerlestr. 1, 78464 Konstanz

Patriotismus, die Liebe zu Heimat und Nation gilt als selbstverständlich, sogar natürlich. Für die Liebe zur Nation muss man nicht argumentieren. Schon die Frage nach Gründen dafür wirkt seltsam, fast zersetzend. Dennoch! Es gibt gute Gründe, sich einmal Klarheit darüber zu verschaffen, was das eigentlich ist – die Nation und das zu ihr gehörende nationale Gefühl.
Dazu wollen wir folgende Thesen begründen und zur Diskussion stellen:

Nation ist die Verklärung einer Gesellschaft, die auf Konkurrenz beruht und aus Klassen besteht. Während sich ihre Mitglieder im Alltag gegenseitig in die Quere kommen und die ökonomischen Nutznießer die Lohnabhängigen schädigen, wird zur nationalen Feierstunde die Gemeinschaft beschworen.
Nation ist die Verklärung eines Zwangszusammenhangs. Kein Mensch entscheidet frei und nach seinen Interessen, welchem nationalen Verein er wie lange und unter welchen Bedingungen angehören möchte – und natürlich ist das schon gar nicht.
Die Begründungen für die nationale Gemeinschaft sind unhaltbar. Vorstellungen, dass gemeinsame Sprache, Geschichte und Abstammung eine Gemeinschaft schweißen sind sehr populär aber wenig stimmig.
Nation ist die zentrale Ideologie über Staat und Gesellschaft. Diese Gesellschaft braucht das verlogene Gerede von der nationalen Gemeinschaft.
Nation braucht Identifikation, Dummheit, Gefühlsduselei, Fahnen und Phrasen.

Aber gibt es nicht auch den guten, den harmlosen Patriotismus? Viele, die sich am überschäumenden Nationalismus der Ausländerhasser, der Fußballfans, der Stammtische stören, plädieren für eine aufgeklärte, respektvolle, die Vorzüge aller Nationen anerkennende und niemanden ausgrenzende oder herabwürdigende Form der Heimatliebe. Gibt es die?


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